Pressearchiv 2011
Bedingungsloses JA zur Jugendhilfe im schulischen Ganztag
Freitag, den 09. Dezember 2011 um 22:31 Uhr

Der Landeselternausschuss begleitet den Prozess zur Einführung einer ganztägigen Bildung und Betreuung in der Schule seit Beginn intensiv. Der LEA unterstützt diesen Entwicklungsprozess, wenn er das klare Ziel hat, dass Jugendhilfe und Schule zusammen zukünftig jede schulische Ganztägigkeit gestalten. Eine Absenkung von Qualitätsstandards ist nicht akzeptabel, doch akzeptieren wir, dass Umstrukturierungen grundsätzlich zur Änderung beider Systeme führen.

Wir müssen allerdings feststellen, dass bisher nicht genügend Anstrengungen zur Entwicklung sachgerechter Strukturen unternommen wurden, um das neue System zu implementieren. Stattdessen soll unter enormen Zeitdruck eine gebundene Ganztagsschule oder eine GBS-Betreuung an vielen Standorten eingeführt werden, ohne dass bis heute die wichtigsten Voraussetzungen einer solchen Veränderung in der Bildungslandschaft geregelt, geschweige denn besprochen, worden sind.

Aus vielen Gesprächsrunden mit Behördenvertretern, mit Kita- und Schulvertretern, aber vor allem mit Eltern, ergeben sich für den Landeselternausschuss vier Kernforderungen:

  • Der Landeselternausschuss fordert, dass die Kooperation zwischen Jugendhilfe und Schule in allen ganztägigen Schulformen sofort verpflichtend wird.

  • Der Landeselternausschuss fordert Rahmenkonzepte für die GBS-Betreuung und die Überarbeitung der bisher starren Betreuungszeiten.

  • Der Landeselternausschuss fordert die Entschleunigung der angestrebten Strukturveränderung sowie die Einsetzung einer professionellen, paritätisch besetzten Steuerungsgruppe, die auch umgehend die Entwicklung der fehlenden Rahmenkonzepte vorantreiben muss. Eine geordnete Umsetzung von schulischer Ganztägigkeit, ganz gleich welches System gewählt wird, ist dringend nötig.

  • Der Landeselternausschuss fordert den Erhalt der Wahlfreiheit zwischen den verschiedenen ganztägigen Schulsystemen, so dass bei der Einführung auf eine ausgewogene Vielfalt geachtet werden muss.

Die ausführliche Begründung dieser Forderungen, sowie der aus unserer Sicht für ein Gelingen der Reform unbedingt zu klärenden Punkte, finden sich in unserer Stellungnahme zu GBS, die dieser Mitteilung angehängt und bald auch auf der Homepage des LEA unter www.lea-hamburg.de/presse zu finden ist.

 

 
LEA begrüßt "Das KITA-Brückenjahr"
Mittwoch, den 07. Dezember 2011 um 00:00 Uhr

Am 30.11.2011 haben die Kitaverbände ihr Programm "Das KITA-Brückenjahr – garantiert gut vorbereitet in die 1. Klasse!" vorgestellt. Jede Kita, die sich am "KITA-Brückenjahr" orientiert, verpflichtet sich, dessen Eckpunkte einzuhalten.

"Unsere Forderung war seit jeher, dass alle Kita-Träger Sicherung von Mindeststandards in allen Kitas treffen und die Bildungsangebote der Kitas weiterentwickeln. Wir brauchen eine flächendeckend gute Qualität, damit alle Kinder bei der Einschulung den Anforderungen der Schule gewachsen sind. Das neue Programm "KITA-Brückenjahr" ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung", freut sich Claudia Wackendorff, Vorstandsmitglied des LEA.

Mit dem Brückenjahr gehen die Kitas ausdrücklich eine Verpflichtung gegenüber den Eltern ein. Diese können dann prüfen, ob das Angebot ihrer Kita ihren Ansprüchen genügt und ob die Kita wirklich hält, was sie verspricht. "Die Bildungsarbeit in Kitas bekommt dadurch eine Transparenz, die vorher so nicht überall vorgesehen war. Das wird vielen Eltern bei der Entscheidung "Brückenjahr oder Vorschule?" helfen ", erläutert Claudia Wackendorff weiter.

"Der LEA vertritt seit seiner Gründung die Wahlfreiheit der Eltern zwischen Kita und Vorschulklasse. Die aktuellen Entwicklungen in Bezug auf die schlechteren Betreuungsschlüssel etc. im Ganztagsschulbereich veranlassen uns jedoch dazu, den Eltern zu empfehlen, wirklich sehr genau zu prüfen, was ihr Kind im letzten Jahr vor der Einschulung erwartet und ob es nicht doch besser wäre, ihr Kind bis zur Einschulung in der Kita zu belassen. Wenn ein Programm wie das KITA-Brückenjahr eine gute Bildungsarbeit sichert, fällt uns die Empfehlung für die Kita noch leichter", ergänzt Sabine Buhk, Vorstandsmitglied des LEA.

Dennoch erfüllt dieses Programm die Forderung des LEA nach einer flächendeckenden Qualitätsoffensive nur zum Teil. Denn die Teilnahme ist allen Kitas freigestellt. Daher unser Appell an alle Kitas - auch an die, die keinem Dachverband angehören - das Unterstützungsangebot der Verbände durch Materialien etc. anzunehmen und an diesem Programm teilzunehmen. Damit alle Kita-Kinder "garantiert gut vorbereitet in die 1. Klasse" kommen!

 
LEA Hamburg unterstützt SOAL in seinen Forderungen
Mittwoch, den 16. November 2011 um 00:00 Uhr

In seiner Pressemitteilung vom 15.11.2011 kritisiert der Kita-Verband SOAL die Betreuungsbedingungen für Vorschulkinder im System der "Ganztägigen Bildung und Betreuung an Schulen" massiv und sagt "Einen Landesrahmenvertrag, der die Vorschulkinder zu solchen Bedingungen mit einbezieht, wird SOAL nicht unterzeichnen".

Hierin kann der LEA Hamburg SOAL nur unterstützen. Im "Landesrahmenvertrag Kinderbetreuung in Tageseinrichtungen" heißt es in der Protokollerklärung zur Qualitätsentwicklung: "Die Vertragspartner stimmen weiterhin darin überein, dass eine Verbesserung der Standards für eine Weiterentwicklung der Kindertagesbetreuung ein gemeinsames Anliegen bleibt." Für Kinder im Vorschulalter steht in Hamburgs Kitas ein Erzieher-Kind-Schlüssel von 1:11 zur Verfügung. Viele pädagogische Expertisen sehen für Elementarkinder von 3-6 Jahren einen Schlüssel von 1:7,5 als nötig. Wir liegen also noch unterhalb eines guten Schlüssels. Gleichzeitig ist der Hamburger Elementar-Schlüssel in Erst- und Zweitkräfte aufgeteilt, so dass auch eine Differenzierung der Gruppe möglich wäre. Das ist bei der Ganztägigkeit in all ihren Facetten nicht so. "Die Kita-Verbände jetzt mit einem "Landesrahmenvertrag GBS" zu zwingen, bei der Betreuung der gleichen Kindergruppe – hier geht es um Elementarkinder im Vorschulalter - Abstriche zu machen, ist in höchstem Maße grotesk und gegen jede Absichtserklärung." kritisiert Claudia Wackendorff, Vortandsmitglied des LEA Hamburg. "Eine Weiterentwicklung der Qualität sieht anders aus."

Für eine gute Qualität der ganztägigen Betreuung hält der LEA Hamburg genauso wie die Kita-Verbände eine Verzahnung der Kompetenzen von Jugendhilfe und Schule als unabdingbar. Ansonsten können die hehren Ziele überhaupt nicht erreicht werden. "Der ganzheitliche Bildungsgedanke muss endlich Einzug ins Schulsystem halten!" fordert Sabine Buhk, Vorstandsmitglied des LEA Hamburg. "Sonst haben wir hier keine Reform, sondern nur eine Verschiebung der Zuständigkeiten mit eingebauter Verschlechterung der Qualität."

Der LEA Hamburg ist sich einig, dass gerade das hohe Tempo der Einführung zu unnötigem Druck bei Trägern, Schulen und Behörde führt. Vor der Wahl stand die SPD noch für eine Entschleunigung der Reform. "Von Behörden-Seite heißt es, man handle unter dem Druck der Eltern, doch merkwürdigerweise ist bei der Vertretung aller Hamburger Kita-Eltern - dem LEA Hamburg - noch kein einziges Elternteil aufgetaucht, das die Geschwindigkeit der Reform gutheißt," gibt Ole Vollertsen, Vorstandsmitglied des LEA Hamburg, zu bedenken.

 
Grundschulen werden zu Ganztagsschulen - aber wie profitieren
Donnerstag, den 08. September 2011 um 00:00 Uhr

Am 01.09.2011 verkündete der Hamburger Senat: "Grundschulen werden zu Ganztagschulen". Dies war die erste offizielle, öffentliche Stellungnahme, dass die schon vom schwarz-grünen Senat geplante und von allen Seiten heftigst kritisierte, sogenannte "Hortreform" ungebremst weitergeführt wird. Doch haben sich glücklicherweise die Rahmenbedingungen weiterentwickelt. Der aktuelle Senat hat ein offenes Ohr für die Kritik der Eltern und Kitaverbände und hat an der finanziellen Ausstattung einiges
nachgebessert. "Unter den alten Rahmenbedingungen hatten wir als Landeselternausschuss GBS -bis auf die Grundidee, allen Kindern den Zugang zu einer Nachmittagsbetreuung zu ermöglichen- komplett abgelehnt. Jetzt aber wird für die Zukunft eine Grundlage geschaffen, auf der eine Weiterentwicklung
von GBS als Betreuungsmodell für Schulkinder doch vorstellbar ist. Bis dahin ist aber noch sehr viel konzeptionelle Arbeit von allen Beteiligten nötig
", fasst Claudia Wackendorff, Vorstandsmitglied des LEA Hamburg, die Stimmung im Gremium zusammen.

Als sehr erfreulich betrachtet der LEA, dass die sozialen Ungerechtigkeiten durch die alte Beitragsstruktur vom neuen Senat endlich erkannt wurden und eine Korrektur zugesagt wurde. "Bundesweit vorbildlich ist die Beitragsfreistellung für Kinder, die Anspruch auf das Bildungs- und Teilhabeförderpaket haben. Leider werden gerechte Tabellen nicht mal eben so erstellt. Die neuen Beitragstabellen brauchen länger, als wir es uns erhofft hatten", bedauert Claudia Wackendorff. "Aber die Zusage steht, dass GBS nicht teuer werden wird als der Hort."

Den neuen Ressourcenrahmen betrachten die Kita-Verbände für eine gute Nachmittagsbetreuung der Klassen 1 bis 4 als auskömmlich. Der LEA sieht es aber kritisch, dass für Kooperationsgespräche und zum Ausgleich von Auslastungsrisiken feste Pauschalen je Standort gezahlt werden. "Bedauerlicherweise wurde der Vorschlag der Behörden, Kooperationszeiten pro Gruppe zu finanzieren von den Spitzenverbänden nicht angenommen", kritisiert Ole Vollertsen, Vorstandsmitglied des LEA. "Stattdessen werden feste Summen pro Standort gezahlt, bei denen nicht nachvollzogen werden kann, ob sie wirklich in Gespräche zwischen Lehrern und Erziehern münden. Eltern sollten daher ein Auge auf die Übergabesituation haben!"

Und es tauchen weitere Probleme auf:

Durch die fehlende Auswertung der Pilotstandorte, die dem hohen Reformtempo geschuldet ist, können neu startende Schulen nicht auf deren Erfahrungen zurückgreifen. Die gleichen Fehler passieren unnötigerweise mehrmals. Das von den Behörden prophezeite und als unvermeidbar zu tolerierende 'Rumpeln in der Anfangsphase' wird dadurch unnötig vergrößert. Schulen haben nichts, an dem sie sich orientieren können. "Hier fehlen die von uns immer wieder eingeforderten Rahmenkonzepte für die Mittagssituation, die Raumplanung und die Pädagogik. Unnötig, dass jede Schule das Rad neu erfinden muss", kritisiert Sabine Buhk, Vorstandsmitglied des LEA. "Unsere Forderung, dass Schulen und Kooperationspartner schon bei der Antragsstellung entsprechende Konzepte vorlegen müssen, wurde jetzt vernünftigerweise erfüllt. Wir erwarten, dass die Behörden dabei Unterstützung leisten und die Konzepte dann auch fachgerecht prüfen."

Beide Behörden sollten auch unbedingt darauf achten, dass alle Beteiligten richtig informiert werden. Eine Pressemitteilung mit Fragen und Antworten als Anlage erreicht die meisten Eltern wohl kaum. Es muss direkt vor Ort informiert werden, damit auch gleich auf Fragen eingegangen werden kann. Aber mit falschen Informationen versorgt, können Eltern keine profunde Entscheidung für oder gegen GBS an ihrer Schule treffen. "Es ist doch unglaublich, wenn ein Referent aus dem Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung auf einer Elterninformationsveranstaltung behauptet, an einer gebundenen Ganztagsschule sei keine Ferien- und Randzeitenbetreuung möglich! Das ist schlichtweg falsch!" erzürnt sich Jörg Gröndahl, der dies selbst erlebt hat. Nur gut informierte und eingebundene Eltern können dazu beitragen, GBS an ihrer Schule zum Erfolg werden zu lassen.

Die Erfahrungen zeigen uns auch, dass Eltern eine zentrale Anlaufstelle für Fragen und Beschwerden genannt werden muss. Wir fordern die beteiligten Behörden dazu auf, sich hierüber schnell zu verständigen und allen Eltern der GBS-Standorte diese Information in die Hand zu geben.

GBS mit Leben zu füllen, wird sicher kein leichtes Unterfangen. Wir werden diesen Prozess weiterhin kritisch begleiten. Es hat sich schon bei den Pilotstandorten gezeigt, dass GBS dann am besten funktioniert, wenn sich die betroffenen Eltern aktiv an der Gestaltung beteiligen und frühzeitig in die Planung involviert werden. Daher auch unser Plädoyer an alle Eltern:

Bitte, mischen Sie sich ein und halten sie Rücksprache zu den Elternvertretungen LEA und Elternkammer Hamburg! Nur dann funktioniert der Informationsfluss - auch zu den Behörden! Nur dann können weitere Verbesserungen erreicht werden!"

GBS muss sich jetzt beweisen und zeigen, ob es den Anforderungen und Erwartungen gerecht werden kann. Und dabei dürfen auf keinen Fall die Bedürfnisse der Kinder aus dem Blick geraten!

 
Stellungnahme des LEA zu GBS
Dienstag, den 28. Juni 2011 um 13:56 Uhr

Der Landeselternausschuss Kindertagesbetreuung (LEA) Hamburg hat in seiner Sitzung am 28.06.2011 nachfolgend aufgeführte Stellungnahme zur Ganztägigen Bildung und Betreuung an Hamburger Schulen (GBS) beschlossen:

Der Zugang zu einer pädagogisch anspruchsvollen und individuellen Förderung und Betreuung am Nachmittag für alle Kinder ist eine unserer Forderungen seit Gründung des LEA Hamburg. Dies könnte auch durch ganztägige Bildung an Schulen als bildungspolitischer Strukturwandel erreicht werden. Die aktuelle Ausgestaltung der Ganztägigen Bildung und Betreuung an Hamburger Schulen entspricht bisher allerdings nicht dem, was der LEA Hamburg als gute Betreuung und Förderung für Schulkinder ansieht. Wir können die Einführung der GBS daher nicht befürworten. Wir hinterfragen nach wie vor die politische Entscheidung für GBS und die damit einhergehende Auflösung eines gewachsenen Hortsystems. Und wir werden uns auch weiterhin damit kritisch auseinandersetzen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass nur massive Kritik zu Verbesserungen führt. Daher muss diese Kritik auch weiterhin geübt werden und die Frage geklärt werden, wie Eltern in den Gestaltungsprozess von GBS weiter einbezogen werden. Bis es eine eigene Vertretung für von GBS-betroffene Eltern gibt, sehen wir diese Aufgabe weiterhin beim LEA Hamburg als Kita¬elternvertretung und bei der Elternkammer Hamburg als Schulelternvertretung. Seit dem Regierungswechsel in Hamburg ist in kurzer Zeit eine enge und konstruktive Zusammenarbeit des LEA mit der Sozialbehörde gewachsen; wir sind hoffnungsvoll, mit der Kritik auf offene Ohren zu stoßen.

Der LEA Hamburg als Vertretung aller Eltern und Kinder im Hamburger Kitagutscheinsystem macht sich seit seiner Einführung für eine Erweiterung der Rechtsansprüche auf alle Kinder stark: gleich welchen Alters, gleich welcher sozialen Herkunft. Ebenso fordern wir seit Einführung des Hamburger Kita-Gutscheinsystems die Verbesserung der Betreuungsqualität, insbesondere was die zu niedrigen Erzieher-Kind-Schlüssel angeht - auch in der Hortbetreuung!

Die Einführung der Ganztägigen Bildung und Betreuung an Hamburger Schulen in ihrer jetzigen Form, und damit die Schließung aller Horte, entspricht allerdings nicht den Vorstellungen des LEA Hamburg. Zwar soll GBS allen Kindern zugänglich sein und mag den Forderungen der Kultusministerkonferenz bezüglich Ganztags¬grundschulen für alle Kinder entsprechen. Die Betreuungsqualität wird jedoch in keiner Weise verbessert, wie vom LEA gefordert, sondern nach derzeitigem Planungsstand sogar gesenkt.

Von Seiten der Politik und Behörden wird immer mit einer starken finanziellen Entlastung der Eltern argumentiert. Dabei hatten schon im August 2009 LEA und Hortbündnis den Behörden und PolitikerInnen vorgerechnet, dass die Gestaltung der Elternbeiträge aus dem Eckpunktepapier vor allem Eltern mit besseren Einkommen entlasten, Eltern mit niedrigeren Einkommen aber mehr bezahlen müssen als vorher. Gerade auch die neue Essensgeldregelung im Hort ab August 2011 macht für noch mehr Eltern GBS teurer als den Hort und erschwert somit wieder die Teilhabe der Kinder am Bildungssystem. Es wurde zwar eine Beitrags¬reform zugesagt. Heute, zwei Tage vor Beginn der Sommerferien ist aber immer noch nicht bekannt, welche Elternbeiträge zukünftig bezahlt werden müssen. Der LEA erwartet daher ein gerechtes Elternbeitragsmodell, noch bevor die neuen Modellschulen im August starten, besonders ohne versteckte Kosten und ohne Pauschalen, wie das Essensgeld.

Als Interessensvertretung werden wir uns auch nicht mit reinen Kosten/Nutzen-Abwägungen zufrieden stellen. Uns geht es um Qualität. Wir fordern das, was wir für Eltern und Kinder als am Besten erachten: einen Hortanspruch für alle Kinder zu besseren Qualitätsstandards als wir sie bereits haben. Gleichwohl sehen wir, dass die aktuelle Hamburger Regierung unter Bürgermeister Olaf Scholz endlich auf die vielfältigen Kritiken von Eltern, Kita-Vertretern und anderen Interessensverbänden reagiert. Seit zwei Jahren wird massiv Kritik am so genannten Eckpunktepapier geäußert, ohne dass viel passiert ist. Jetzt wird weiteres Geld bereitgestellt, um die desolate Ausstattung zu verbessern. Dennoch wird GBS nach aktueller Ausgestaltung nicht an die Qualitätsstandards der Hortbetreuung heranreichen. Und diese Hortstandards galt es aus unserer Sicht ja immer noch zu verbessern.

Besonders bedenklich ist auch die Personalsituation:

  • Am 01.03.2011 startete die Bundesinitiative "Schwerpunkt-Kitas Sprache & Integration". Diese bewilligt zusätzliche Sprachförderkräfte für Kitas, die bestimmte Rahmenbedingungen erfüllen. Monate später gibt es immer noch Kitas, die bisher keine passenden Kräfte einstellen konnten. Leidtragende sind die Kinder.
  • Im Arbeitsprogramm des Senats ist vorgesehen, in sozial benachteiligten Gebieten mehr Erzieher zur Förderung der Kinder einzusetzen, voraussichtlich ab 2012.
  • Zum kommenden Schuljahr 2011/12 wird die Schulbehörde 108 zusätzliche Stellen für Erzieher und Sozialpädagogen schaffen, um die inklusiven Bildungsangebote in den Schulen zu unterstützen.
  • Und auch die zusätzlich eingerichteten Vorschulklassen brauchen zusätzliche Sozialpädagogen.

Ein Erziehermangel zeichnet sich mehr als deutlich ab!

Aber gerade die als sehr ambitioniert zu bezeichnende Umsetzung von GBS ist ohne hoch qualifizierte Erzieher mit Erfahrung in der Schulkindbetreuung überhaupt nicht vernünftig umzusetzen, wenn man allen Kindern, gleich welcher Herkunft, eine gute Förderung zukommen lassen will. Für erfahrene Horterzieher ist eine Anstellung in GBS nicht attraktiv. Zu sehr unterscheiden sich die pädagogischen Konzepte von Schule und Hort. Auch droht der Verlust tariflich hart erkämpfter Verbesserungen der Arbeitsbedingungen im Kita-System beim Arbeitsplatzwechsel. Vor dem Hintergrund dieser prekären Personalsituation und einer nicht ausreichenden, abschließenden Evaluation scheint es grob fahrlässig, die Umsetzung von GBS in diesem hohen Tempo fortzusetzen.

Alle Kritikpunkte münden in ein zentrales Problem: Das GBS-Konzept in seiner aktuellen Form wird den sehr unterschiedlichen Bedürfnissen und Ansprüchen der Kinder, gerade aus schwierigem Milieu, nicht gerecht werden können. Leider wird somit die grundsätzlich begrüßenswerte Idee, eine Förderung aller Kinder am Nachmittag zu entwickeln, nicht mit Leben gefüllt.

 
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