Pressearchiv 2006
Pressemeldung zum Streik an Kitas in Hamburg
Freitag, den 28. April 2006 um 17:50 Uhr
Hamburgweit rund 8.000 Kinder und deren Eltern waren gestern direkt von den Auswirkungen der Tarifauseinandersetzung zwischen Ver.di und der "Vereinigung Hamburger Kindertagesstätten" betroffen: ein Viertel der städtischen Kitas waren ganz geschlossen, knapp die Hälfte nur mit einem Notdienst versehen. Viele Eltern quer über das Stadtgebiet verteilt standen daher morgens vor verschlossenen Kita-Türen, manches Kind wurde - sofern überhaupt - von ihm unbekannten Erziehern betreut. Für berufstätige Eltern wurde es da besonders eng, gerade in Zeiten, in denen auf Arbeitgeberseite wenig Toleranz dafür herrscht, wenn Mitarbeiter wegen ihrer Kinder fehlen. Die Motive, ob nun aus Krankheit oder aufgrund eines Streiks, spielen da keine Rolle.  
 
Wer aus den Medien von einem möglichen Streik gehört hatte und erfahren wollte, ob die eigene Kita denn betroffen sei, wurde mancherorts selbst am Mittwochnachmittag noch abgeblockt. Das Info-Schreiben der Vereinigungsgeschäftsführung wurde nur vereinzelt gesichtet.  
 
Zwar kann die Gewerkschaftsforderung professionelle Arbeit gerecht zu entlohnen von den meisten Eltern nachvollzogen werden, zumal vor dem Hintergrund der deutlichen Personaleinsparungen seit Anfang 2005, eine solche Adhoc-Aktion wie die gestrige verärgert aber die Kita-Eltern und sorgt sicherlich nicht dafür, dass Zustimmung und Unterstützung steigen. In Kitas wurde, zumindest soweit dem LEA bekannt, nicht über die Protestaktion und deren Motive informiert.  
 
Unter den wie auch immer gearteten strategischen Gründe für die Nicht-Information hatten Eltern und Kinder gestern zu leiden.  
 
Bei weiteren Streiks mahnen wir dringend an, die Elternschaft rechtzeitig vorher und offen zu informieren. Ein Notdienst, mindestens für Kinder berufstätiger Eltern, muss sichergestellt werden. Dies ist eine Ermahnung an beide Seiten, Ver.di und Vereinigung, eine Lösung im Sinne von Kindern und Eltern zu finden. Es kann nicht sein, dass der Streit auf deren Rücken ausgetragen wird.  
 
Ein weiterer Aspekt wird übersehen: Der nunmehr 11-wöchige Streik hat in den Hamburger Jugendämtern (KTBs) zur Folge, dass sich dort die Anträge für Kita-Gutscheine stapeln. Gerade bei Neuanträgen sind die Eltern über lange Zeit im unklaren darüber, ob , für wieviele Stunden und zu welchem Elternbeitrag ihr Kind einen Kita-Platz bekommt. Auch hier sind Kinder und Eltern die Leidtragenden.
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